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DER ASTRONERD
Instrumentaria / 31.10.2026

Meade LX200 EMC 200 10"

Ein dickes, altes Mädchen, das mehr kann als man ihm nachsagt oder zutraut

Meade LX200 EMC 10
Meade LX200 EMC 10

Meade ist tot, lang lebe Meade! Ja, es ist schade, dass dieser Hersteller vom Markt verschwunden ist, diese Teleskope haben Charakter und Flair. 

Das hier ist ein Schmidt-Cassegrain Teleskop aus einer älteren Bauserie von Meade, noch mit unkorrigiertem optischen Ausgang, also mit bauartbedingter Koma. Aber es gibt immer noch Korrekturlinsen am Markt für solche Teleskope, hauptsächlich solche, die auch die Brennweite reduzieren und dadurch die Optik "schneller" machen. Aber immerhin, es gibt Möglichkeiten.

Das Teleskop wird wie fast alle Geräte dieser Bauart über den Hauptspiegel fokussiert, der dann beim Richtungswechsel den Spiegel immer etwas verkippt. Das und der relativ kleine Bildkreis, der aus dem Korrektor kommt, machen diese alten Tonnen nicht gerade beliebt in der Welt der modernen Astrofotografie. 

Aber man kann sich auch da helfen, ich habe beispielsweise einen Okularauszug zum Fokussieren an den optischen Ausgang geschraubt und diesen dann mit einem elektronischen Autofokus motorisiert. Den originalen Fokusknopf muss man kaum noch benutzen, außer beim Kollimieren oder Nachstellen des Fokuspunktes.

Ein Starizona Reducer/Korrektor kommt bei mir für die Astrofotografie zum Einsatz - der ist so gebaut, dass er im angebrachten Okularauszug gänzlich verschwindet.

Theoretisch hat dieser Reducer eine 0,63x-fache Reduktion der Brennweite, doch das hängt auch vom Abstand des Korrektors zum optischen Ausgang ab. Effektiv komme ich damit auf eine Reduktion von 0,74-fach. Das macht die Optik zwar nicht ganz so schnell wie gewünscht, doch man opfert auch nicht so viel Brennweite dafür.

Der 10-zöllige Hauptspiegel sammelt aber ganz ordetlich Photonen, genug um damit brauchbar fotografieren zu können. Jedoch ist das keine Empfehlung für Anfänger oder Ungeduldige, man muss sich mit diesem Gerät intensiv auseinandersetzen, um seine Befindlichkeiten kennenzulernen. Es sei hier nur dessen Temperatursensibilität erwähnt, also ein stündlich geplanter Autofokus ist Pflicht.

Dann hat die Dame auch Gewicht, mit allem dran sind es deutlich über 20 kg, das heißt, eine ordentliche Montierung ist ebenfalls Pflicht. Ich setze das Mädchen auf eine AM7 von ZWO, aber auch eine Losmandy G11, letztere ist aber etwas wartungsintensiver, da muss immer wieder mal etwas nachgestellt und justiert werden.

Auch spielt bei einer reduzierten Brennweite von etwa 1860 mm das atmosphärische Seeing bereits eine große Rolle beim Fotografieren, aber die alte Dame überrascht immer wieder mit ihren Aufnahmen, was alle Mühen wett macht.  

Eine ihrer Hauptaufgaben unter meiner Hand ist auch die Photometrie, dafür eignen sich besonders Teleskope, die keine störenden Diffraktions-Spikes erzeugen, die viele Anfänger so gerne sehen - weil diese ja so hübsch aussehen. Aber auch die Deep-Sky Ziele werden bei so einer Brennweite nie ausgehen, es gibt einfach viel zu viele weit entfernte Geschehnisse, die man damit einfangen kann, wie zB. Supernovae in unerreichbar entfernt liegenden Galaxien.

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